Mädchenhaus: präsent sein, aber geheim bleiben.

«Schliesslich geht es darum, dich aus deiner Problemsituation zu befreien und eine Lösung für dich zu finden.» Ehemalige Bewohnerin Mädchenhaus

Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 20 Jahren, die von physischer, psychischer und/oder sexueller Gewalt betroffen sind oder die ihr soziales Umfeld (meistens die Familie) aufgrund erlebter Gewalt verlassen müssen oder wollen, finden im Mädchenhaus in Zürich einen sicheren Ort. Damit dies so bleibt, ist der Standort geheim. Über eine Telefonnummer können die Mädchen und jungen Frauen Kontakt mit dem Team aufnehmen und werden dann zum Standort begleitet. 

Der Schritt, das eigene Zuhause zu verlassen, fällt nicht leicht. Selbst wenn der Entschluss dann gefasst und umgesetzt wurde, bleiben Zweifel, ob dies richtig war. 

«Auf dem Weg ins Nirgendwo wurde mir bewusst, was ich gemacht hatte. Mit voller Wucht packte mich der Schmerz und ich fühlte mich schuldig. (…). Heute weiss ich, dass mich keine Schuld trifft.»

Im Mädchenhaus angekommen, treffen sie auf andere Mädchen und junge Frauen, die Ähnliches erlebt haben. Sie können sich mit Gleichaltrigen sowie den Fachpersonen über das Erlebte austauschen und gewinnen Vertrauen in ihre Wahrnehmung und ihre Fähigkeiten. 

«Es dauerte ein paar Tage, bis ich mit der Situation klargekommen bin. Aber ich habe es geschafft. (...). Dort konnte ich offen und ehrlich über meine Probleme reden. (...). Du kannst sicher sein, dort in guten und warmen Händen zu sein.»

Im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit steht das Wohl des Mädchens bzw. der jungen Frau. Das Team setzt sich aktiv dafür ein, beispielsweise durch die Begleitung bei Behördengängen oder Gesprächen. Da die Betroffenen oft Mühe haben, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und diese auszudrücken, ist dies besonders wichtig. 

«Ich kann dir nur raten, dich nicht aufzugeben. Es ist nicht leicht ohne Familie, aber bei der Familie zu bleiben und dich selbst dabei zu verlieren, wenn nicht gar zerstören zu lassen, ist ein grösserer Fehler».

Partizipatives Imagefilm-Projekt «VIELE SIND WIR»

Geheim bleiben und trotzdem bei Mädchen und jungen Frauen in Not bekannter werden – vor dieser Herausforderung sah sich das Mädchenhaus in Zürich. Mit dem Video-Clip «VIELE SIND WIR» haben sich die zwei Filmemacherinnen Heta Multanen und Salome Schneebeli mit Bewohnerinnen des Mädchenhauses die Situation, die Erlebnisse und Gefühle der Betroffenen sichtbar gemacht und gleichzeitig darauf verwiesen, wo Mädchen und junge Frauen bei Gewalterfahrungen Zuflucht finden können.

 
Autorenbild_Dorothea-Hollaender_1500x1500.jpg

Dorothea Hollender

Geschäftsleiterin
Mädchenhaus Zürich

 
Diesen Beitrag via E-Mail teilen