Heimkultur im Gleichgewicht.

CURAVIVA_SCHWEIZ_HERHEIMSPAZIERT_Burghof_Key_Visual_SqSp.jpg

Der „pädagogische Ort“ Burghof ist sowohl ein pädagogisches Milieu als auch ein gewachsenes Kulturgut, das von den Mitarbeitern gepflegt und getragen wird. In dieser bewusst gestalteten Umgebung finden die Jugendlichen auch als Peergruppe einen Lern- und Experimentierraum vor. Durch die Teilhabe an den Entscheidungsprozessen innerhalb der Gruppe können sie ihren Selbstwert, ihre Selbstwirksamkeit und eine gemeinschaftliche Konsenskultur erfahren. Weil eine Peergruppe einen Raum für soziales Lernen darstellt, können sich aus den Reihen der Jugendlichen Kulturträger herausbilden, die eine vorteilhafte Kultur und positive Werte in einer Gruppe aufrechterhalten. 

Gemeinsam positive Erlebnisse schaffen

Das sozialpädagogische Team repräsentiert die Unternehmenskultur und wird dadurch auch zum Ziel früherer Erfahrungen und Ängste der Jugendlichen, die in einer Art Zwangsgemeinschaft leben. Die pädagogische Arbeit mit diesen Kräften erweist sich häufig als konfliktbelastet und erfordert Geduld und Ausdauer. In den Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen beziehungsweise der Peergruppe und den Mitarbeitenden wiederholen sich Interaktionsmuster, die schwierig zu durchbrechen sind. 

Der Weg zu einer erstrebenswerten gemeinsamen neuen Erfahrung ist deshalb oft steinig und frustrierend. Bei den Sozialpädagogen können Selbstzweifel und Verunsicherungen entstehen, die zu Diskussionen im Team führen: Will er überhaupt, dass ich mich für ihn einsetze? Was mache ich falsch? Unsicherheiten und Spannungen werden von den Jugendlichen sofort wahrgenommen und wirken sich unmittelbar auf die Dynamik der Peergruppe aus. Wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen?

Eine bewährte Strategie bildet die aktiv gestaltete Freizeit mit Ritualen, Spiel und Spass. Diese gemeinsamen Momente ermöglichen den Jugendlichen, sich selbst und die Erwachsenen anders zu erleben. Positive Erlebnisse und neue Erfahrungen, die von einem respektvollen, unterstützenden und ehrlichen Geist geprägt sind, fördern die Motivation sowohl bei den Jugendlichen als auch im sozialpädagogischen Team, mehr vom Gleichen erleben zu wollen.

Auf Bestehendem aufbauen

Damit in der Institution ein respektvoller, unterstützender und ehrlicher Umgang gepflegt wird, müssen Einzelne wie auch die Gruppe auf unbeschränkte Freiheit verzichten. Dieser Verzicht ist schwierig, sobald ein Jugendlicher unter dem Konformitätsdruck der Gruppe steht. Die daraus entstehende Dynamik erfordert die ganze Kraft der sozialpädagogischen Mitarbeitenden. In diesen Momenten ist ein Team gefordert auf seine Wirkung zu vertrauen. Es ist wie nach der Flut: Durch die Ebbe entstehen Räume für neue Begegnungen, und das Strandgut regt zu Gesprächen an. So häufen sich jene Erfahrungen, die bei der nächsten Flut wiederum Halt geben.

 
 
autorenbild_burghof01_1500x1500.jpg

Micha Bänteli

Gruppenleiter Beobachtungsstation
Pestalozzi Jugendstätte Burghof

 
 
autorenbild_burghof02_1500x1500.jpg

Regina Baumann

Gruppenleiterin
Lehrlingsheim II
Pestalozzi Jugendstätte Burghof

 
 
autorenbild_burghof03_1500x1500.jpg

Carmelo Campanello