Auf der Schwelle ins Arbeitsleben.

In diesem Sommer geht meine Zeit im Zentrum für Gehör und Sprache zu Ende. Eingetreten bin ich in der Oberstufe. Das ist nun fünf Jahre her. Durch meine Cerebralparese ist meine Aussprache teilweise schwer verständlich, was dazu führte, dass ich in meiner alten Schule ausgegrenzt wurde. Ich fühlte mich wie Luft. Im Zentrum ist das anders. Es fällt mir hier viel leichter zu kommunizieren. Die Gebärdensprache hilft mir, das Verbale zu unterstützen. Hier im Zentrum habe ich die Welt der Gehörlosen entdeckt.

Weil der Schulweg für mich anstrengend ist, wohne ich zwei Tage pro Woche auf der Wohngruppe. Der Aufenthalt auf der Gruppe hat mir erlaubt, Erfahrungen für meine Zukunft zu machen. Regelmässig an einem anderen Ort zu schlafen war eine Übung, die mir nach meinem Austritt im Sommer weiterhelfen wird.

Ich trete aus dem Zentrum aus, weil ich nun 18 Jahre alt bin. Zusammen mit meinen Eltern habe ich bei der Berufsberatung und in Institutionen viele Gespräche geführt, um zu schauen, welchen Weg ich einschlagen soll. Dank dem Zentrum konnte ich verschiedene Möglichkeiten für meine Zukunft anschauen. An einigen Orten durfte ich schnuppern. Meine Eltern haben mich auch toll unterstützt bei der Vorbereitung auf die neue Situation. 

Gerne hätte ich in einer bestimmten Einrichtung im Büro gearbeitet. Der zuständigen Person dort war es allerdings nicht möglich, mir eine Betreuungsperson zur Seite zu stellen. Ich darf nun im Atelier arbeiten. Dazu gehören Basteln, Weben und Filzen. Sonntag bis Donnerstag werde ich in der betreuten Einrichtung wohnen, wo ich mein eigenes Zimmer mit Badezimmer habe. Dort wird es mir weiterhin möglich sein, die Gebärdensprache einzusetzen. An den anderen Tagen bin ich zu Hause.

Der Gedanke an das Neue ist noch komisch für mich. Auf der einen Seite freue ich mich, dass die Schule fertig ist und ich nun arbeiten gehen kann. Auf der anderen Seite bin ich etwas traurig, das Zentrum für Gehör und Sprache zu verlassen. Ich werde die Wohngruppe vermissen. Die Leute dort sind sehr herzlich. Meine Physiotherapeutin werde ich auch vermissen. Sie ist zwar streng, aber sie fördert mich sehr. Ich weiss, dass ich mich aber auch noch später an das Zentrum wenden kann, wenn ich Unterstützung brauche. Zudem werden die Ehemaligen auch zu Anlässen eingeladen.

 
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Joy, 18

 
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