Expedition casadata – auf dem Weg zu mehr Transparenz.

Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass wir in der Schweiz über keine gesamtschweizerischen Zahlen zu fremdplatzierten Kindern und Jugendlichen verfügen. Dieses Manko ist allgemein bekannt. Kritisiert wurde die Schweiz dafür auch vom Kinderrechtsausschuss. In seinen Empfehlungen zeigt er sich besorgt darüber, dass in der Schweiz keine repräsentativen Daten und Informationen zur Situation von Kindern in Pflegefamilien und Heimen vorhanden sind.

Der evidente Mangel an Daten in diesem Bereich stellt alle Akteure vor Herausforderungen. So fehlen Entscheidungsgrundlagen, und die Planung von Leistungen und Angeboten ist erschwert. Da Kantonsgrenzen bei Fremdplatzierungen nur bedingt eine Rolle spielen, ist die Gesamtschau wichtig.  

Die Expedition casadata , wie ich sie detailliert beschrieben habe, begann im Jahr 2012. Das Ziel der Expedition: die unbekannte Insel der Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben. Da Fremdplatzierung eine kantonale Aufgabe ist, galt es zuerst, die Kantone von diesem Projekt zu überzeugen. Das gelang! Auch wenn einzelne Kantone bereits Daten sammelten, waren sie doch an einer nationalen Vernetzung sehr interessiert. 

Gewählt wurde eine pragmatische Vorgehensweise der kleinen Schritte, denn es war von Anfang an klar, dass ein grosser Wurf bei so vielen verschiedenen kantonalen Ausgangslagen und unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema nicht zielführend sein würde. Auch wenn dieses Vorgehen mehr Zeit in Anspruch genommen hat, sehen wir nun doch bereits einen Teil des Ziels.

Wie geht es weiter?

Seit 2016 werden Daten gesammelt, und der erste Bericht wird diesen Herbst durch das Bundesamt für Justiz publiziert. Die Plattform casadata.ch wird mittelfristig einen Überblick über die Erziehungseinrichtungen und die Pflegekinder in der Schweiz bieten. Zur Gewährleistung der Datenhoheit haben nur die Kantone oder die Heime Zugang zu bestimmten Daten. Die Plattform stellt zudem allgemeine Informationen über die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Heimen und Pflegefamilien bereit und will Wissen aus Politik, Verwaltung, Forschung und Praxis zusammenführen. 

 
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Beatrice Kalbermatten 

Bereichsleiterin Anerkennungen und Planung, Bundesamt für Justiz

 
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