Kantonale Herausforderungen in der Sozialraumorientierung.

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Sozialraumorientierung hat in der Kinder- und Jugendhilfe des Kantons Bern seit einigen Jahren einen festen Platz. Vier Institutionen aus unterschiedlichen Regionen des Kantons haben sich jede für sich auf den Weg in Richtung Sozialraumorientierung gemacht. 

Ausgangslage mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen

Im Rahmen ihrer eigenen Weiterentwicklung und auf der Suche nach neuen Konzepten der sozialpädagogischen Arbeit für die Förderung und den Schutz von Kinder und Jugendlichen, haben sich die vier Institutionen fachlich für die Sozialraumorientierung entschieden. Im Zuge dessen haben sie ihre Konzepte neu geschrieben und sich mit diesen Innovationen um die kantonale Bewilligung bemüht. Der Kanton Bern hat diese Änderungen des Angebots in Form von Pilotprojekten bewilligt und finanziert, wodurch alle vier Institutionen unter relativ unterschiedlichen Rahmenbedingungen ihre sozialräumlichen Konzepte umsetzten. 

Einheitliche Leistungsvereinbarungen

Aus Sicht eines Kantons, der seit mehreren Jahren in einem neuen Organisationsprozess steckt und bemüht ist, mehr Steuerung zu übernehmen, war diese Situation nicht zufriedenstellend. Um die Projekte aus dem Pilotstatus in einen Regelmodus zu überführen, wurde mit den Trägerschaften einheitliche Leistungsvereinbarungen ausgehandelt. Heute haben diese vier Organisationen alle die gleichen Finanzierungsgrundlagen und -regeln. Trotzdem erlaubt es den Institutionen weiterhin ihre Leistungen so anzubieten, dass sich diese am individuellen Bedarf der Kinder und deren Familien orientieren. 

Bisherige Erfahrungen

Die bisher gemachten Erfahrungen zeigen, dass insbesondere grössere oder öffentlich-rechtliche Trägerschaften eine Wirkung in einem Versorgungsraum entfalten können, da individuell zugeschnittene Lösungen und Massnahmen aus einer Hand möglich sind. Erst wenn der Vernetzungsgedanke zum Tragen kommt, wird die Durchlässigkeit der angebotenen Leistungen, insbesondere zwischen hoch- und niederschwelligen Angeboten, gefördert.  

Das volle Potenzial kann noch nicht ausgeschöpft werden

Aktuell wird im Kanton Bern die Entwicklung Richtung Sozialraumorientierung von den Leistungserbringern vorangetrieben. Dabei ist es naturgemäss für einzelne Trägerschaften schwierig, das ganze System im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe auf einem Gebiet zu koordinieren. Somit bleibt es ein Stück weit ein Flickenteppich von Leistungen, die nur teilweise aufeinander abgestimmt sind. Das volle Potenzial, welches hinter dem Gedanken der Koordination von passgenauen Leistungen zu Gunsten der Klientinnen und Klienten steckt, kann nicht ausgeschöpft werden. Hierzu müssten die Gemeinden oder der Kanton eine aktive Steuerungsfunktion übernehmen und aus einer übergeordneten Perspektive top down auf das Gesamtangebot Einfluss nehmen. Zudem müssen auch die Leistungsbesteller wissen, was es in einem Versorgungsraum alles gibt, damit eine Passung gelingen kann und eine Leistung vor allem aufgrund von professionellen Aspekten und nicht aufgrund sonstiger Fehlanreizen geschieht.  

Ausblick

Der Kanton Bern befindet sich aktuell bezüglich der Kinder- und Jugendhilfe in einem intensiven Veränderungsprozess. So kommt es in nächster Zukunft nicht nur zu Veränderungen in den Zuständigkeiten der kantonalen Verwaltung, sondern insbesondere für die Einrichtungen und Leistungserbringer zu sehr wesentlichen Umstellungen in der Finanzierung. Es wird deswegen bis auf Weiteres nicht möglich sein, dass weitere Trägerschaften ihre Leistungen sozialraumorientiert umgestalten.

 
 
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Thomas Schüpbach

Leiter ALBA-Abteilung Kinder und Jugendliche
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern

 
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