Sozialraumorientierung: Persönliche Einblicke einer Mutter.

CURAVIVA_SCHWEIZ_HERHEIMSPAZIERT_EinblickeMutter_Key_Visual_SqSp.jpg

Im letzten Beitrag hatte ich darüber berichtet, dass die Arbeit nach dem Ansatz der Sozialraumorientierung uns Fachpersonen in der Familienhilfe vor die Herausforderung stellt, unsere Fachmeinung anzupassen. Innerhalb dieses Kontextes hat mich interessiert, wie unsere Arbeitsweise bei den Empfängern unserer Dienstleistung spürbar wird. Deswegen habe ich einer Mutter, nennen wir sie Frau Müller, Fragen entlang der Arbeitsmaximen der Sozialraumorientierung gestellt.

Frau Müller, woran merken Sie, dass Sie (in der Zusammenarbeit mit Schoio-Familienhilfe) im Lösungsfindungsprozess wichtig sind?
Indem man mir zuhört und mich ernst nimmt bei dem, was ich sage. Indem man die Lösung meiner Situation anpasst. 

Welche Aufgabe/Tätigkeit, welche die prozessführende Person an Sie (zurück-)delegierte, hat Sie in jenem Moment am meisten geärgert und wie denken Sie heute darüber?
Ich habe mich nicht geärgert. Aber es machte mich nervös, dass ich selber die Beiständin anrufen sollte, um sie zu informieren. Heute bin ich froh, habe ich es gemacht. Ich weiss jetzt, dass meine Angst unbegründet war. Die Beiständin reagierte auf meine Information gelassener, als ich erwartet hatte.

Was von all den Dingen, welche Sie im Zielerreichungsprozess selber angepackt oder gelöst haben, hat Sie selbst am meisten überrascht?
Dass ich bei meinen Kindern genauer hinschaue, aus welchen Situationen gewisse Reaktionen entstehen können. Ich habe gelernt, differenzierter hinzuschauen. Ich möchte weiterhin besser darauf achten, was meine Kinder brauchen. 

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit der verschiedenen Dienste in Ihrem Unterstützungs- und Hilfesystem? Welche Rolle haben Sie in dieser Vernetzung?
Die Zusammenarbeit empfinde ich als angenehm und reibungslos. Ich bin der Motor darin. Ich lasse ihn an, indem ich Hilfe hole, und bringe alles zum Laufen. 

Die Sozialraumorientierung, nach der die Schoio-Familienhilfe arbeitet, besagt, dass die Lösungen möglichst in der Lebenswelt der Familien zu suchen sind. Wie erleben Sie dies in Ihrem Fall? Und wo hat die Lösung bisher noch ausserhalb Ihrer Lebenswelt stattgefunden? Welche Lösung soll zukünftig in Ihrer Lebenswelt umgesetzt werden?
Wir haben für meinen Sohn eine schnelle und gute Lösung gehabt. Wir [Frau Müller und die Fachpersonen] haben die Lösung gemeinsam gesucht. Man hatte verstanden, worum es mir geht. Ich will diese Lösung, dass mein Kind im Moment auf der Wohngruppe Vento fremdbetreut wird, im Moment noch nicht rückgängig machen. Das Ziel von uns als Familie ist, dass diese Situation auf längere Sicht rückgängig gemacht wird. 


Die Antworten von Frau Müller stellen uns Mitarbeitenden der Schoio-Familienhilfe ein schönes und motivierendes Zeugnis aus. Uns ist jedoch bewusst, dass die Antworten auf dieselben Fragen nicht von allen Familien, mit denen wir zusammenarbeiten dürfen, gleich positiv ausfallen würden. Ein Gelingen der Kooperation zwischen der Familie und den Fachpersonen der Familienhilfe ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Im Jahr 2019 wollen wir Prozessführenden unseren Fokus gezielt auf jene Einflussfaktoren legen, die wir unmittelbar und selber steuern können: 

1.  Die gemeinsame sowie individuelle Auseinandersetzung mit unserem Arbeitskonzept.

2.  Die Übersetzung der Sozialraumraumorientierung ins tägliche Handeln im Kontakt mit den Familien. 

3.  Die Umsetzung der Sozialraumorientierung im Spannungsfeld zwischen dem Willen der Familie und den Ansprüchen des Kindschutzes.

 
 
autorenbild_TLO_1500x1500.jpg

Tania Lopez

Fachperson Familienhilfe
Schoio-Familienhilfe

 
Diesen Beitrag via E-Mail teilen