Ein Zuhause auf Zeit im Wandel der Zeit.

350 Jahre alt wird eine Institution nicht alle Tage. Das Bürgerliche Waisenhaus Basel feiert dieses wichtige Jubiläum ein ganzes Jahr lang mit verschiedenen Anlässen und Aktivitäten. Zur Gründungszeit des Waisenhauses litt Basel unter den Folgen einer Pestepidemie. Es ging darum, bettelnde Kinder von der Strasse zu holen und zur Arbeit und einem gottesfürchtigen Leben zu erziehen. Zu Beginn lebten die Kinder im Waisenhaus noch mit Sträflingen unter demselben Dach. Die steigende Anzahl Kinder und damit die finanziellen Nöte führten dazu, dass die Kinder für ihren Unterhalt aufkommen mussten und somit am Webstuhl, in der Wollspinnerei oder Knopfmacherei arbeiteten.

Das Waisenhaus hat sich im sozialgeschichtlichen Kontext sowohl äusserlich wie auch innerlich stark entwickelt und verändert. Die Veränderungen der Rahmenbedingungen und der Bedürfnisse führten immer wieder zu Entwicklungen. Reformen halfen Missstände aufzuheben, das eigene Selbstverständnis veränderte sich und damit auch die pädagogischen Konzepte. 

Aus der Erforschung der eigenen Vergangenheit und Geschichte entstand Zuhause auf Zeit, ein Buch mit 456 Seiten und vielen Bildern. Die Entwicklung des Waisenhauses wird durch Interviews mit Zeitzeugen von 1930 bis 2010 untermauert, wodurch das Buch den Alltag und das Lebensgefühl der im Waisenhaus aufwachsenden Kinder auf eindrückliche Weise schildert. Die persönlichen Zeugnisse der ehemaligen Bewohnenden und Mitarbeitenden des «Kischtli» – wie das Waisenhaus zeitweise genannt wurde – verweben sich mit den Schilderungen aus den Zeitdokumenten zu Themen wie Schule und Arbeit, Körper und Privatsphäre, Disziplin und Strafe, Herkunftsfamilie und Aussenkontakte.

Die Ausstellung nicht DAHEIM daheim auf dem Areal des Bürgerlichen Waisenhauses nimmt all jene, die den Alltag über die Jahrhunderte anhand von Hörstationen, Fotos, Objekten und Filmausschnitten verfolgen möchten, mit auf eine eindrucksvolle Zeitreise.

Die aktuell im Waisenhaus lebenden Kinder haben das Jubiläumsjahr aktiv mitgestaltet. «Mir hän alli unsere Rucksack, drin isch unsri Gschicht» heisst es im Waisenhaus-Song Gschichte. Dies gilt nicht nur für einzelne Menschen, sondern auch für das Waisenhaus als lebendige Institution. Die Geschichte geht weiter.

 
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Daniela Schwiefert

Mitarbeiterin Verwaltung
Koordination Jubiläumsjahr
Bürgerliches Waisenhaus Basel

 
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