Unterstützte Kommunikation: mehr als reden.

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Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis und Grundrecht und bildet eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe in der Gemeinschaft. Der grösste Teil der Kommunikation erfolgt im Normalfall über die gesprochene Sprache. Liegt eine körperliche und/oder kognitive Beeinträchtigung vor, ist die Verbalsprache oft stark betroffen. In diesen Fällen kommen die vielfältigen Hilfsmittel und Strategien der «Unterstützten Kommunikation» (UK) zur Anwendung.

Was bedeutet «Unterstützte Kommunikation»?

Der englische Begriff für Unterstützte Kommunikation beschreibt die relativ junge Wissenschaft treffender: Augmentative and Alternative Communication, also ergänzend bei beeinträchtigter oder entwicklungsverzögerter Kommunikation und ersetzend bei fehlender Kommunikation. UK umfasst alle pädagogischen, therapeutischen und unterstützenden Massnahmen und Strategien, die der Optimierung von eingeschränkten Kommunikationsprozessen dienen.

Kommunikation über verschiedene Modalitäten

Zur Ergänzung und als Ersatz der Verbalsprache stehen vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Man spricht von Modalitäten: körpereigene Kommunikationsformen wie Körperhaltung, Mimik, Blickrichtung, Ja-Nein-Zeichen, Gestik und die Lautsprache unterstützende Gebärden, aber auch bildbasierte Ausdrucksformen wie Foto- und Piktogrammkarten, Kommunikations- und Ich-Bücher, iPads mit speziell für die UK konzipierten Kommunikations-Apps bis hin zu komplexen Kommunikationscomputern. Letztere können für motorisch stark eingeschränkte Nutzerinnen und Nutzer auch extern angesteuert werden, beispielsweise mittels Augensteuerung oder Kopfmaus.

 
 

Mehr als nur Kommunikationshilfsmittel

Das Erstellen eines individuellen Kommunikationssystems setzt bei den Ressourcen der Nutzenden an. Es hat zum Ziel, ein Verständigungssystem zu entwickeln, das deren Möglichkeiten und Bedürfnissen maximal gerecht wird. Dabei können bei der gleichen Person verschiedene Kommunikationsformen zur Anwendung kommen. So entsteht ein multimodales, individuelles Kommunikationssystem. UK geht weit über die Bereitstellung von Hilfsmitteln hinaus: Die Kommunikation kann für eine unterstützt kommunizierende Person nur dann gelingen, wenn sie ein kompetentes Gegenüber hat. Feingefühl, Geduld, Respekt und Bestärkung sind unerlässlich, denn UK ist eine Haltung!

Der UK-Leitstern: Partizipation

UK-Massnahmen und –Strategien haben das Ziel, durch die Optimierung der Kommunikationsmöglichkeiten die Teilhabe der Menschen mit einer Einschränkung in der Gemeinschaft zu verbessern. Diese umfasst die Familie und die Wohngruppe sowie alle Bereiche des gesellschaftlichen Miteinanders.

«Früher musste ich schreien, weil ich nicht verstanden wurde. Mit dem Gerät kann ich am Abend mit meiner Familie plaudern.»

N.K., 17-jährig, Nutzerin eines augengesteuerten Kommunikationscomputers

 
 
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Ursula Feller

Logopädin
Leitung Fachstelle UK
Stiftung Aarhus
www.aarhus.ch

 
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