Wie reden, wenn die Verbalsprache fehlt?

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Die Stiftung Aarhus in Gümligen ist ein Ort zum Wohnen, Leben und Lernen für  Menschen mit körperlicher oder mehrfacher Behinderung. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden auf ihrem Weg begleitet, gefördert und unterstützt. Eigenwirksamkeit, Teilhabe und ein hoher Grad an Selbstbestimmung sind dabei die Ziele. Die Unterstützte Kommunikation (UK) spielt bei der Erreichung dieser Ziele eine massgebende Rolle. Aus diesem Grund hat in der Stiftung Aarhus die UK einen sehr hohen Stellenwert und ist im  Alltag nachhaltig verankert.

Bei fehlender oder beeinträchtigter Verbalsprache bilden folgende ersetzende oder ergänzende Modalitäten die UK-Pfeiler der Stiftung Aarhus:

Visuelle Unterstützung durch Farben, Fotos, Pictogramme (PCS und Metacom), Schrift
In der ganzen Institution werden die gleichen Farben für die Wochentage verwendet: auf Wochentafeln (Aktivitäten, Arbeitsplänen, etc.), Stundenplänen, Menuplan, etc. Je nach Bedürfnissen werden Inhalte mit Fotos oder Pictos dargestellt: Bebilderung von Schränken, Arbeitsabläufe, Rezepte, etc. Auch Vereinbarungen, Regeln, Infos oder Themen wie der mutmassliche Wille (Patientenverfügung) werden bildlich und damit klarer verständlich dargestellt. Ein oft eingesetztes Tool ist z.B die in Pictogramme „übersetzte“ Schmerzerfassungs-Skala.

 
 

Lautsprachunterstützende Gebärden (PORTA und SGB)
Einerseits helfen diese kognitiv beeinträchtigten Menschen beim Verstehen der Verbalsprache ihrers Umfelds, da die Gebärden oft den gesprochenen Begriff abbilden. Andererseits dienen sie dazu, sich ausdrücken zu können, wenn die Artikulation unmöglich oder sehr undeutlich ist. Die Gebärdenkultur wird in der Stiftung Aarhus intensiv gepflegt. Beispielsweise hat jede Person in der Institution einen persönlichen Gebärden-Namen .

Einfache elekronische Geräte, iPads mit einfachen Kommunikations-Apps

Diese ermöglichen nicht sprechenden Menschen, selbständig einen Botengang zu erledigen, indem auf einen sprechenden Knopf beispielsweise aufgesprochen wird: „Hallo Tim, kannst du mir bitte fünf Orangen geben.“ Aber auch bei Spielen können solche Geräte sehr wirkungsvoll eingesetzt werden, indem bspw. beim UNO auch eine nicht sprechende Person den nächsten Spielzug mitteilen kann.

 
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Komplexe Kommunikationsgeräte, iPads mit Kommunikations-Strukturen
Diese können einfache Teilhabe bis hin zu Referententätigkeit alle Nuancen von Kommunikatkion ermöglichen. Für motorisch stark eingeschränkte Nutzerinnen und Nutzer gibt es alternative Ansteuerungsmöglichkeiten wie Augensteuerung, Joystick, etc.

Partnerstrategien
Nebst allen Hilfsmitteln ist die Kompetenz der sprechenden Kommunikationspartnerinnen und -partner von grösster Bedeutung – UK ist und bleibt eine HALTUNG.

 
 
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Ursula Feller

Logopädin
Leitung Fachstelle UK
Stiftung Aarhus
www.aarhus.ch

 
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